Freiluftschule
 
HAZ, 07.07.2007 Wo Kinder zu Entdeckern werden

Die Freiluftschule Burg besteht seit 50 Jahren – und ihr pädagogisches Konzept überzeugt noch immer

Von Bärbel Hilbig
Noch bevor es am Freitag richtig losging mit der 50. Geburtstagsfeier für die Freiluftschule Burg, konnten die Gäste hautnah erleben, worum es an dieser besonderen Schule eigentlich geht: Kinder der Peter-Petersen-Schule, die bei der Feier singen und tanzen wollten, waren spontan in den Wald gerannt, und dort entdeckten sie lauter kleine Frösche. „Wir haben es kaum geschafft, sie rechtzeitig zurückzuholen“, sagt Klassenlehrerin Dagmar Vincentz.
Wie diese Drittklässler haben im Laufe eines halben Jahrhunderts rund 85 000 Schüler aus Hannover eine Woche auf dem 6,5 Hektar großen Gelände die Natur entdeckt
. Und wenn das Wort „Freiluftschule“ fällt, erinnern sich viele Hannoveraner mit Rührung an eine besonders interessante und spannende Woche in ihrer Schulzeit. Heute besuchen pro Woche zwei Klassen, meist aus dem dritten oder vierten Schuljahr, das Holzhaus mitten in einem Waldstück, das zum Schulbiologiezentrum gehört.
„Ein Eichhörnchen, das von Ast zu Ast springt, ist wichtiger als meine Ansage“, erklärte Leiter Winfried Noack eines der Prinzipien der Freiluftschule. Es gebe kein festes Thema, keine Medien, keine Schulzeiten mit Pausenklingel. „Wir arbeiten mit dem, was den Kindern lebendig vor Augen ist – ohne Zeitdruck, aber dafür umso eindrucksvoller.“ Wie wichtig das ist, betonte Harald Gropengießer, Professor für Didaktik der Biologie an der Leibniz-Uni: „Vielen Kindern ist die lebendige Welt heute fremd. Aber unser Denken gründet auf Erfahrung.“
„Das pädagogische Konzept ist so frisch wie zu Beginn“, lobte Schuldezernent Harald Böhlmann
. Das sei angesichts der geringen Haltbarkeit vieler pädagogischer Ideen besonders erstaunliche. Auch darum wurde Winfried Noack am Freitag nach 22 Jahren als zweiter Leiter der Freiluftschule nur mit großem Bedauern in den Ruhestand verabschiedet – und mit herzlichen Dankesworten der Schulverwaltung. Vorgänger Herbert Boldt stand der Schule sogar 28 Jahre vor. Klaus Thomaier, der Leiter des Schulbiologiezentrums, hob hervor, dass Noack stets die Fähigkeit bewahrt habe, die Kinder so mitreißend zu begrüßen, als sei es das erste Mal.
Nächste Woche stellt Noack diese Fähigkeit noch einmal unter Beweis. Aber auch die Nachfolge an der Freiluftschule ist schon geregelt: Grundschullehrerin Bettina Knälmann wird Kindern künftig die Natur näherbringen.

Seit 50 Jahren lernen Kinder in Burg unter freiem Himmel – wie die Drittklässler, die mit Lehrerin Dagmar Vincentz an Malvenblüten schnuppern. Blüher/privat