| SCHULBIOLOGIEZENTRUM - Schulgarten Burg |
| 18.11.2010, StadtAnzeiger in HAZ und NP | Lernen von der Natur |
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.... Nur einen Katzensprung vom Brücken-Konglomerat entfernt stößt man auf das Schulbiologiezentrum am Vinnhorster Weg. Der auf unserem Foto Nummer drei gezeigte Apothekergarten ist in seinen Grundzügen das älteste Grün der Anlage: Schon 1926 wurde hier ein Heilpfl anzengarten angelegt. 1999 kreierte man die Kräuter-Insel mit Blick auf die Expo völlig neu; Apothekerverband und -kammer riefen einen Förderverein ins Leben, der das Verständnis für die Wirkungsweise von Heilpfl anzen verbessern will und die Nutzung des Gartens für Lernzwecke unterstützt. Auf die richtige Spur gebracht hat der Apothekergarten auch Beatrix Siese-Kuss aus Badenstedt: Das Schulbiologiezentrum ist mir seit Jahrzehnten vertraut und hat mit vielen wertvollen Materialien und Workshops meine pädagogische Arbeit bereichert.
Wenige Jahre später zog der Garten an die Kirchröder Straße um, bevor er 1926 an seinen heutigen Standort in Burg verpflanzt wurde. Auf dem Areal des dortigen Ritterguts baute man einen Pavillon für die Betreuung von Schülergruppen, die Anlage war mit zweieinhalb Hektar wesentlich größer als zuvor und zählte mehr als 20 Einzelgärten, die von verschiedenen Schulen betreut wurden. Bedingt durch die Kriegsvorbereitungen und mit Blick auf drohende schlechte Zeiten standen damals aber verstärkt die Anlage von Produktionsgärten und eine mögliche Eigenversorgung auf dem Lehrplan, weniger eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Flora und Fauna. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Modell der Arbeits-Schulgärten beerdigt, die Anlage in Burg verwahrloste, stand nach Verkäufen einzelner Parzellen kurz vor der Aufl ösung. 1961 aber fasste die Stadt einen bahnbrechenden Entschluss: Sie entschloss sich, dem Schulbiologiezentrum neues Leben einzuhauchen, es zum Kern eines praxisnahen Biologieunterrichts mit diversen Kursangeboten und Unterrichtshilfen für Schüler und Lehrer umzuformen, mit vielfältigen Möglichkeiten zum Ausleihen von Pfl anzen und Tieren, mit der Züchtung von Kräutern und Blumen zur Weitergabe als Anpfl anzmaterial für Schulen. Im gleichen Jahr wurde ein hauptamtlicher Leiter eingestellt, der sich als ein Segen für die Einrichtung erweisen sollte und sie während seiner fast dreißigjährigen Amtszeit zu einem Solitär machte: Gerhard Winkel. Der Biologiepapst war ein Mann der Praxis, dem der Kontakt zur Natur nicht nah genug gehen konnte. So machte er etwa in den Siebzigern als Gänsevater nach Art des Verhaltensforschers Konrad Lorenz von sich reden: Wir hatten Gänse in unseren Besprechungen, Gänse im Unterricht und nachts Gänse an unseren Betten. Unter der Ägide des gelernten Biologielehrers, der in den frühen Jahren Herr über 31 Mitarbeiter davon fünf Lehrer und 7,5 Hektar Gartenland war, wuchs das Zentrum zu einer deutschlandweit beachteten Einrichtung heran, die für viele Kommunen und Schulen Modellcharakter hatte. Eine der prominentesten Besucherinnen war im Frühjahr 1981 die jüngst verstorbene Hannelore Loki Schmidt, die sich als ausgewiesene Naturliebhaberin gerne die Perlen des Schulbiologiezentrums zeigen ließ. Nur eine Bitte hatte sie an die Journalisten: Man möge sie nicht mit der Zigarette in der Hand fotografi eren, ihr Mann, der Bundeskanzler, gewöhne sich doch gerade das Rauchen ab. Nun ja, auch Helmut Schmidt hat nicht alles erreicht, was er sich vorgenommen hat . . . . Der botanische Schulgarten in Burg fand aber auch an anderer Stelle viel Beachtung und heimste etliche Auszeichnungen ein beispielsweise 1995 von der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft einen Preis für seinen Vorbildcharakter in Europa im Bereich der Naturerziehung. Gerhard Winkler, der im Vorjahr starb, verfasste nebenbei auch noch etliche Fachbücher und war als Mitherausgeber einer Zeitschrift tätig; seine Verdienste um die Schulbiologie wurden wurden unter anderem mit einem Bundesverdienstkreuz gewürdigt. Über eine ganz besondere Aufwertung durfte sich die Einrichtung
aus Burg um die Jahrtausendwende freuen, als im Rahmen des Expo-Projekts
Stadt als Garten neben dem Apotheker-Areal auch andere Themengärten
und eine Streuobstwiese angelegt wurden; das neue Bienenhaus allerdings
brannte im Sommer 2000 kurz vor seiner Fertigstellung bis auf die Grundmauern
nieder. Die Beliebtheit der Bio-Schule ist bis heute ungetrübt: Die
Führungen zu botanischen Themen aller Art sind gut besucht, zum Sommerausklang
beim Umweltforum kommen jedes Jahr bis zu 7000 Gäste und eignen sich
auf spielerische Weise viel Wissenswertes über Schafschur, Schädlingsbekämpfung
oder Schnitttechnik an. Die Nutzungs-Statistik für das Jahr 2009
weist durchaus beeindruckende Zahlen aus: Doch trotz aller Lobeshymnen wurde im Schulbiologiezentrum alle paar Jahre der Rotstift angesetzt. Mal war es die Stadt, die Gärtner einsparte, mal war es das Land, das Lehrerstellen kürzte. Immer gab es einen Aufschrei in der ganzen Region, liefen Schulen Sturm, protestierten Eltern, Förderverein und organisierte Naturfreunde doch geholfen hats meist wenig. Die jüngste Kürzung liegt erst gut ein Jahr zurück, als das Personalbudget in Burg um mehr als ein Viertel gekappt wurden. Doch mit frischen Konzepten für neue Angebote etwa zum Thema nachwachsende Rohstoffe will das Zentrum dafür kämpfen, diese Personalstellen zurückzugewinnen. .... |
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